edition schreibkraft

sorgen

schreibkraft Heft 46/47

sorgen

Pflegen, kümmern, Care-Arbeit. Oder aber: ein Denken, das uns die Furcht einflüstert. Dass wir uns um jemanden sorgen – also Sorgen machen.

Die beiden Bedeutungen von Sorgen gehen vielfach Hand in Hand. Ganz persönlich – und gesamtgesellschaftlich: Sind nicht all jene Bereiche, die sich der Sorge im klassischen Sinn widmen, auch jene, um die wir uns gerade die größten Sorgen machen (sollten)? Pflegeheime und Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser; systemisch gedacht: (Aus-)Bildung, Gesundheitssystem, Pflege. Überall Mangelwirtschaft, alles kracht, alles an allen Ecken und Enden schlecht versorgt.

Zugleich zeitigt die zunehmende Sorge um den Care-Bereich einen Paradigmenwechsel. Noch nie zuvor war mehr davon zu lesen und zu hören. Über Care-Arbeit wurde nicht gesprochen, erst recht nicht geschrieben. Nun ist sie zentraler Bestandteil öffentlicher Debatten. „Care“ ist der sozialwissenschaftlichen Forschung entwachsen, tritt als Fokus und Arbeitshypothese in zahlreiche Lebens- und Arbeitsfelder ein.

Und doch bleibt sie im Wortsinn wertfrei. Vom sympathisch bis schrullig daherkommenden Kulturpessimisten, reicht die Bandbreite bis zum vielzitierten „besorgten Bürger“, der dann doch recht rasch zum Wutbürger mutiert. Und was, wenn man sich zu viele Sorgen macht? Die Gesellschaft ist „krank vor Sorge“, könnte man meinen. Und dabei wächst die subjektiv empfundene Sorge ständig, genauso wie die Zahl der diagnostizierten Angststörungen. Da könnte man sich wirklich Sorgen machen.

ISBN 978-3-902106-39-1

Broschur
Fadenheftung, 168 Seiten
21 x 21 cm
8 EUR (AT) / 7,80 EUR (DE) / 14 CHF (CH)

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Das Feuilletonmagazin schreibkraft wurde 1998 vom Literaturreferat des Forum Stadtpark als Zeitschrift für literarisches Feuilleton ins Leben gerufen und wird seit 1999 von der unabhängigen „edition schreibkraft“ in Graz herausgegeben.